1. Schliessung und Öffnung gegenüber dem Fremden

1975
Non à
M. Schwarzenbach

Vor einem einheitlich roten Hintergrund wird das Schweizer Staatsgebiet dargestellt. Die schwarzen Umrisse sind verschwommen. Ein weisses Kreuz befindet sich in seiner Mitte. Mit der Aussage Nein zu Herr Schwarzenbach und der Darstellung einer sich auflösenden Schweiz, spricht sich die Freisinnig-Demokratische Partei gegen die Überfremdungsinitiative aus. Sie erachtet sie als eine Bedrohung für das Land, da sie dessen Werte verwässern und die Schweiz, für die die Partei einsteht, nach und nach auslöschen würde.
2. Wirtschaftliche und demographische Fragen

1965
Schluss mit
Überfremdung

Mittels der Bildtiefe, der Transparenz und der Kenntlichmachung der Figuren in Rot, die sich lebhaft fürchten, erzeugt das Plakat eine Vorstellung jener Überfremdungsangst, wie sie seit Ende der 1950er Jahre üblich war. Die Botschaft des Bildes verbindet Einwanderung und allgemeine Preissteigerung. Davon zeugt auch die Aneinanderreihung der Begriffe Inflation, Überfremdung und Spekulation. Die schwarzen Figuren repräsentieren gleichzeitig ausländische Arbeitskräfte und Spekulanten, wo hingegen die Gebäude im Hintergrund auf die Wohnraumkrise anspielen.
3. Menschenrechte

1981
Tous solidaires

Die Botschaft dieses Plakates erinnert an die fünf Finger einer Hand und bekräftigt die Einheit, die auf dem Schweizer Arbeitsmarkt vorherrschend sein sollte. Jede Fingerkuppe hat ein Gesicht und repräsentiert Arbeitskräfte mit unterschiedlichem Status. Der Zeigefinger und der Ringfinger verkörpern zugewanderte Arbeiter (ein Kellner und ein Industriearbeiter) ; der Daumen und der kleine Finger stellen Schweizer Führungskräfte dar. Einerseits vermittelt dieses Bild die Sichtweise eines segmentierten Arbeitsmarktes. Andererseits verkörpert die zusammenführende Geste des Patrons eine paternalistische Attitude.
4. Kulturelle Vielfalt

2007
Une société
Multiculturelle
a ses limites

Indem eine Moschee in das Bild, das die Landschaft der Zentralschweiz mit dem Matterhorn im Hintergrund abbildet, eingefügt wurde, suggeriert die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU), dass die Kirche inmitten des Dorfes durch ein islamisches Gebetshaus verdrängt worden ist. Diese Moschee verkörpert in den Augen der EDU die kulturelle Andersartigkeit und den absoluten religiösen Wahrheitsanspruch des Islams. Die Darstellung einer stereotypen Schweiz wird verwoben mit einer bedrohlichen Patchworkidentität. Der Angriff auf die kulturelle Vielfalt mündete in eine Volksabstimmung, in der die Mehrheit der Stimmbevölkerung sich am 29. November 2009 gegen den Bau von Minaretten aussprach.